2. MÜNCHNER IMMOBILIENKONGRESS – Grüne Hochhäuser und Potenzial im Münchner Osten im Fokus

14.06.2019
Fotos: Paul Günther

Historisch hohe Mieten, die Leerstandsquote bei Büros mit 2,6 Prozent auf Rekordtief, 
nur noch wenige verfügbare Flächen für Neuentwicklungen und eine überlastete Verkehrsinfrastruktur: das anhaltende Wachstum stellt München vor große Herausforderungen. Wie sie sich meistern lassen und welchen Beitrag das Zusammenspiel von privaten Investoren, Entwicklern und der öffentlichen Hand dazu leisten kann, diskutierten Christian Vogrincic, Gründer und CEO, und Anatol Obolensky, Vorstand und COO von CV Real Estate zusammen mit Vertretern der Branche im Rahmen des 2. Münchner Immobilienkongresses Anfang Juni.

Die Münchner Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk machte die Dimension des Themas an einigen Zahlen deutlich: München, schon heute die am dichtesten bebaute Stadt Deutschlands, wird demnach bis 2035 um voraussichtlich weitere 300.000 Einwohner wachsen. Das stelle die Stadtplanung vor große Herausforderungen. Denn trotz des hohen Bedarfs an Wohn- und Gewerbeflächen sollen das historische Stadtbild und die vielen Grünflächen erhalten bleiben. Der Spielraum für eine weitere Verdichtung im Zentrum sei demnach begrenzt.

Neue kreative Konzepte seien gefragt, betonte Merk. Sie wünsche sich mehr originelle und nachhaltige Architektur, mehr Hochhäuser, auch über 100 Meter, und starke neue Quartiere mit einer Mischung der verschiedenen Nutzungen.

Mehr Mut für grüne Hochhäuser und eine intelligent vernetzte Infrastruktur

Einen Ball, den Christian Vogrincic gerne aufnahm: „Wir brauchen in München mehr Mut für grüne Hochhäuser und eine intelligent vernetzte Infrastruktur!“, so seine These. Grüne Hochhäuser bieten aus seiner Sicht drei entscheidende Vorteile: „Sie vernichten in Summe keine Grünflächen, sie sind wesentlich klimaneutraler als konventionelle Hochhäuser und sie haben positive Auswirkungen auf Menschen sowie Pflanzen- und Tierwelt“.

Das Beispiel Singapur zeigt, wie eine Stadt den Bau von grünen Hochhäusern effizient befördern könne, berichtet Vogrincic. So schreibe Singapur vor, dass die von einem Hochhaus in Anspruch genommene Grundfläche im gleichen Maßstab durch neue Grünflächen am bzw. auf dem Hochhaus zu ersetzen sind. Über das Wie können der jeweilige Bauherr oder Entwickler in Zusammenarbeit mit dem Architekten weitgehend selbst entscheiden.

Dieses Prinzip lässt sich nach Christian Vogrincics Überzeugung zumindest in Teilen auch auf München übertragen. „Wir jedenfalls sind gerne bereit, gemeinsam mit der Stadt und anderen aus der Branche daran zu arbeiten, ein Konzept für den Bau nachhaltiger Hochhäuser zu entwickeln“, so Christian Vogrincic.

Die Zukunft der Münchner Bürowelt liegt im Münchner Osten

Eine weitere Antwort auf die Herausforderung am Münchner Büromarkt liegt in der Mobilisierung von Flächenreserven in den zentrumsnahen Randbezirken. „Die Zukunft der Münchner Bürowelt liegt im Münchner Osten“, brachte Anatol Obolensky in der Podiumsdiskussion zum Büromarkt im Rahmen des Münchener Immobilienkongresses seine Einschätzung auf den Punkt. „Zwischen Vogelweideplatz und Hüllgraben gibt es ausreichend Flächen und der Weg bis ins Zentrum ist nicht weit.“ Daher sei der Münchner Osten ein sehr attraktiver Standort für Büroentwicklung und den Bau von grünen Hochhäusern sowie ein spannendes Areal für eine sinnvolle Clusterbildung für Wohnen und Gewerbe.
Die Voraussetzung, um dieses Potenzial zu nutzen: „Der Ausbau des ÖPNV, etwa durch die Tram 19 Plus und eine bessere Vernetzung von ÖPNV und Individualverkehr“, sagt Anatol Obolensky. Weitere Beispiele hierfür seien die konsequente Förderung von Car-Sharing und Elektromobilität in der ganzen Stadt sowie die Einführung von autonomen Sammeltaxen nach dem Vorbild von MOIA in Hamburg.

Unterm Strich zeigten die Diskussionen im Rahmen des Forums: Es gibt durchaus Alterativen, auch im dichten München zusätzliche Gewerbe- und Wohnflächen zu realisieren. Innovative Ansätze, wie begrünte Hochhäuser, und die Mobilisierung weiterer Potenziale in zentrumsnahen Randbereichen, wie dem Münchener Osten, gehören auf jeden Fall dazu. Je besser und vertrauensvoller die verschiedenen Marktakteure zusammenarbeiten, desto leichter und zielgerichteter lassen sie sich realisieren.

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